Wassermischbare Kühlschmierstoffe

Emulsionen und Lösungen kühlen besser als jedes Öl und sind deshalb der Standard in der spanenden Fertigung. Sie verlangen dafür Pflege – und wer die ernst nimmt, verlängert die Standzeit des Ansatzes um ein Vielfaches.

Die drei Bauarten

Alle wassermischbaren Produkte werden als Konzentrat geliefert und im Werk mit Wasser angesetzt. Worin sie sich unterscheiden, ist der Ölanteil im Konzentrat – und damit das ganze Verhalten im Betrieb.

Emulsion (emulgierbar)TeilsynthetischVollsynthetisch (wasserlöslich)
Mineralölanteil im Konzentrathochgeringkein Mineralöl
Aussehen im Ansatzmilchig-weißopal bis leicht trübklar
Schmierleistunghochmittelgering bis mittel
Kühlleistungmittelhochsehr hoch
Spülwirkung / Sichtbarkeit im Arbeitsraummäßiggutsehr gut
Neigung zu Rückständenklebrige Rückstände möglichgeringSalzrückstände möglich
Typischer EinsatzDrehen, Fräsen, Bohren in Stahl und Gussbreites Spektrum, MischbetriebSchleifen, Hartmetallbearbeitung, hohe Schnittgeschwindigkeiten

Ansetzen: die Reihenfolge entscheidet

Der klassische Fehler beim Neuansatz ist, Wasser ins Konzentrat zu gießen. Richtig ist immer Öl ins Wasser – sonst entsteht eine instabile Wasser-in-Öl-Phase, die sich später wieder trennt und nie die vorgesehene Tröpfchengröße erreicht.

  • Vorlagebehälter mit der berechneten Wassermenge füllen, dann unter Rühren das Konzentrat zugeben. Ein Mischgerät oder eine Dosierpumpe macht das reproduzierbar – von Hand wird es selten gleichmäßig.
  • Ansetzwasser prüfen. Sehr weiches Wasser unter etwa 5 °dH begünstigt Schaum, sehr hartes Wasser über etwa 20 °dH fördert Kalkseifen, die als klebriger Belag auf Werkstücken und in Leitungen auftauchen. Die Wasserhärte gehört ins Messprotokoll, nicht nur der Emulsionswert.
  • Anlage vorher reinigen. Ein Neuansatz in ein nicht gereinigtes System ist nach wenigen Wochen so weit wie der alte. Systemreiniger einsetzen, Späne und Schlamm entfernen, Toträume in Leitungen und Rücklaufkanälen nicht vergessen.
  • Erstkonzentration höher ansetzen als die Betriebskonzentration, wenn die Anlage saugende Oberflächen hat – ein Teil des Konzentrats bindet sich an Späne, Schlamm und Wandungen.

Was regelmäßig geprüft werden muss

ParameterWomitWie oftWarum
KonzentrationHandrefraktometer mit Korrekturfaktortäglich bis wöchentlichzu niedrig: Korrosion und Keimwachstum; zu hoch: Hautbelastung, Schaum, Kosten – Details
pH-WertIndikatorstäbchen oder Messgerätwöchentlichein Abfall um mehr als 0,5 Einheiten ist laut TRGS 611 zu vermeiden und der früheste Hinweis auf Keimbefall
NitritgehaltTeststäbchenwöchentlichGrenzwert 20 mg/l nach TRGS 611 – Details
KeimzahlDip-Slidesmonatlich oder anlassbezogenBakterien und Pilze; Geruch ist bereits die Spätfolge
WasserhärteTeststreifenbeim Neuansatz und bei WasserwechselSchaum- und Kalkseifenprobleme
FremdölgehaltSichtprüfung, SkimmermengelaufendHydraulik- und Bettbahnöl ist Nährboden für Keime
KorrosionsverhaltenSpäne-Filtrierpapier-Test nach DIN 51360-2bei VerdachtBewertung in Korrosionsgraden 0 bis 4

Die Ergebnisse gehören in ein Messprotokoll mit Datum und Namenszeichen. Das ist keine Bürokratie: Ohne Verlauf erkennt niemand, ob der pH-Wert seit drei Wochen sinkt – und genau dieser Verlauf ist die Frühwarnung.

Standzeit verlängern

Ein gut gepflegter Ansatz hält ein Vielfaches eines vernachlässigten. Die wirksamsten Hebel, in dieser Reihenfolge:

  1. Fremdöl austragen. Ölskimmer oder Bandfilter, täglich geleert. Fremdöl verschließt die Oberfläche, nimmt dem Ansatz den Sauerstoff und schafft damit anaerobe Verhältnisse – die Ursache für den Montagsgeruch.
  2. Umwälzen über das Wochenende. Ein bis zwei Stunden täglich reichen. Stehende Emulsion ist das Problem, nicht die Stillstandszeit an sich.
  3. Späne und Schlamm konsequent entfernen. Sie binden Konzentrat und sind Nährboden.
  4. Konzentration konstant halten. Nachfüllen immer mit Emulsion, nie mit reinem Wasser – sonst fällt die Konzentration unter den Wert, ab dem der Korrosionsschutz und die Konservierung wirken.
  5. Einträge vermeiden. Putzlappen, Zigarettenkippen, Essensreste und Reinigerreste im Tank sind keine Anekdoten, sondern Alltag.

Unser Sortiment

Produktzuordnung in Vorbereitung. Unsere Metallbearbeitungsöle laufen unter den Linien MV-Lub AURORA, Bellona, Beta, CARDEA, Cut, LT, Rollöl, Schneidöl, SFS, Stanz- und Nibbelöl sowie MMS. Welcher Typ zu Ihrem Werkstoff, Ihrem Verfahren und Ihrer Maschine passt, sagen wir Ihnen im Gespräch – das lässt sich seriös nicht über eine Liste entscheiden. Fragen Sie uns nach dem passenden Produkt und dem Datenblatt.

Sprechen Sie uns an

Wir sind seit 1925 Schmierstoffhersteller und -händler und produzieren in Leverkusen. Für die Metallbearbeitung heißt das: kurze Wege, Abfüllung vom 1-Liter-Gebinde bis zum 1.000-Liter-IBC, Beratung vor Ort an der Maschine und – ab entsprechender Menge – Formulierung nach Ihren Vorgaben.

Vielhauer GmbH
Siemensstraße 11a, 51381 Leverkusen
Telefon +49 2236 322450
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Regelwerk und Quellen

  • TRGS 611 – Verwendungsbeschränkungen für wassermischbare bzw. wassergemischte Kühlschmierstoffe, bei deren Einsatz N-Nitrosamine auftreten können (BAuA)
  • DGUV Regel 109-003 – Tätigkeiten mit Kühlschmierstoffen (früher BGR/GUV-R 143)
  • DIN 51385:2013-12 – Bearbeitungsmedien für die Umformung und Zerspanung, Begriffe
  • DIN 51360-2 – Korrosionsschutzverhalten wassergemischter Kühlschmierstoffe, Späne-Filtrierpapier-Verfahren
  • VDI 3397 Blatt 1 bis 4 – Kühlschmierstoffe: Auswahl, Pflege, Entsorgung, Mikrobiologie

Diese Seite gibt den Stand September 2026 wieder und ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung. Verbindlich sind die jeweils geltende Fassung des Regelwerks sowie die Sicherheitsdatenblätter und technischen Datenblätter der eingesetzten Produkte.