Konzentration messen – Refraktometer und Korrekturfaktor

Der am häufigsten falsch gemessene Wert in der Fertigung. Das Handrefraktometer zeigt nicht die Konzentration an, sondern einen Brechungsindex – erst der produktspezifische Faktor macht daraus einen Prozentwert.

Warum die Konzentration über fast alles entscheidet

Liegt die Konzentration zu niedrig, verliert der Ansatz seinen Korrosionsschutz, die Konservierung wirkt nicht mehr, Bakterien finden ideale Bedingungen und die Werkzeugstandzeit fällt. Liegt sie zu hoch, steigen Hautbelastung, Schaumneigung, Rückstände auf dem Werkstück und die Kosten. Der Bereich, in dem beides stimmt, ist schmaler, als die meisten annehmen – oft nur ein bis zwei Prozentpunkte.

So misst man richtig

  1. Probe repräsentativ entnehmen. Aus dem laufenden Kreislauf, nicht aus einer Ecke des Tanks und nicht direkt aus dem Zulauf nach einer Nachdosierung. Die Maschine sollte vorher einige Minuten gelaufen sein.
  2. Refraktometer mit destilliertem Wasser auf null stellen. Das ist kein einmaliger Vorgang, sondern gehört zu jeder Messreihe – die Nullpunktverschiebung ist eine häufige Fehlerquelle.
  3. Temperatur angleichen. Probe und Gerät sollten dieselbe Temperatur haben. Geräte mit automatischer Temperaturkompensation nehmen einem das ab, dann noch etwa 30 Sekunden warten.
  4. Ablesen an der Hell-Dunkel-Grenze gegen eine diffuse Lichtquelle, nicht gegen die Sonne.
  5. Mit dem Faktor multiplizieren. Der abgelesene Brix-Wert mal dem produktspezifischen Refraktometerfaktor ergibt die Konzentration in Prozent.

Rechenbeispiel: Abgelesen 3,2 Brix, Faktor 1,5 → 3,2 × 1,5 = 4,8 Prozent. Bei einem Faktor von 1,0 wären es 3,2 Prozent, bei 2,0 wären es 6,4 Prozent. Derselbe Ablesewert, drei sehr unterschiedliche Ergebnisse – deshalb ist der Faktor keine Formalie.

Der Faktor steht im technischen Datenblatt des Produkts und gilt nur für dieses eine Produkt. Wer den Kühlschmierstoff wechselt und den alten Faktor weiterverwendet, misst systematisch falsch. Wenn Sie den Faktor Ihres Produkts nicht finden: fragen Sie uns, wir schlagen ihn nach.

Wann das Refraktometer lügt

Das Refraktometer misst alles, was den Brechungsindex verändert – nicht nur das Konzentrat. Mit zunehmender Betriebsdauer wird die Anzeige deshalb systematisch zu hoch:

StörgrößeWirkung auf den MesswertErkennbar an
Fremdöl (Hydraulik-, Bettbahnöl)zu hochtrübe, unscharfe Hell-Dunkel-Grenze; Ölfilm auf der Probe
Aufkonzentrierte Salze durch Verdunstungzu hochsteigender Wert ohne Nachdosierung
Feinstabrieb und Schmutzpartikelzu hoch, unscharfe Grenzesichtbare Trübung
Reinigerresteunterschiedlichplötzlicher Sprung nach einer Reinigung
Zerfallene Emulsionzu niedrigÖlaufschwimmung im Tank

Deshalb gilt: Über die Lebensdauer eines Ansatzes driftet der Refraktometerwert nach oben, während die tatsächliche Wirkstoffkonzentration eher sinkt. Wer nur nach Refraktometer nachdosiert, fährt den Ansatz langsam in die Unterkonzentration hinein. Bei älteren Ansätzen und bei Verdacht ist die Titration die verlässlichere Methode.

Nachfüllen: immer mit Emulsion, nie mit Wasser

Ein Kühlschmierstoffkreislauf verliert Wasser durch Verdunstung und Verschleppung, Konzentrat vor allem durch Verschleppung an Spänen und Werkstücken. Beide Verluste sind nicht gleich groß, und sie sind nicht gleich verteilt.

Wird nur Wasser nachgefüllt, sinkt die Wirkstoffkonzentration schleichend, bis Korrosionsschutz und Konservierung versagen – häufig ohne dass der Refraktometerwert das anzeigt, weil Salze und Fremdöl ihn oben halten. Richtig ist, mit einer Emulsion in der Nachfüllkonzentration nachzufüllen. Diese liegt in der Regel unter der Betriebskonzentration, weil mit dem Verdunstungswasser keine Wirkstoffe verloren gehen; den konkreten Wert nennt das Datenblatt.

Ein Messprotokoll führen

Ein einzelner Messwert sagt wenig, der Verlauf sagt alles. Notieren Sie je Maschine und Datum: Konzentration, pH-Wert, Nitritgehalt, Nachfüllmenge und Auffälligkeiten wie Geruch oder Schaum. Mit drei Monaten Verlauf sehen Sie, ob ein Ansatz stabil läuft oder kippt – und zwar Wochen bevor es jemand riecht. Die Dokumentation der Prüfungen ist zugleich Teil dessen, was TRGS 611 und die DGUV Regel 109-003 verlangen.

Gern stellen wir Ihnen eine Vorlage für das Messprotokoll zusammen, passend zu den Produkten, die bei Ihnen im Einsatz sind.

Sprechen Sie uns an

Wir sind seit 1925 Schmierstoffhersteller und -händler und produzieren in Leverkusen. Für die Metallbearbeitung heißt das: kurze Wege, Abfüllung vom 1-Liter-Gebinde bis zum 1.000-Liter-IBC, Beratung vor Ort an der Maschine und – ab entsprechender Menge – Formulierung nach Ihren Vorgaben.

Vielhauer GmbH
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Regelwerk und Quellen

  • TRGS 611 – Verwendungsbeschränkungen für wassermischbare bzw. wassergemischte Kühlschmierstoffe, bei deren Einsatz N-Nitrosamine auftreten können (BAuA)
  • DGUV Regel 109-003 – Tätigkeiten mit Kühlschmierstoffen (früher BGR/GUV-R 143)
  • DIN 51385:2013-12 – Bearbeitungsmedien für die Umformung und Zerspanung, Begriffe
  • DIN 51360-2 – Korrosionsschutzverhalten wassergemischter Kühlschmierstoffe, Späne-Filtrierpapier-Verfahren
  • VDI 3397 Blatt 1 bis 4 – Kühlschmierstoffe: Auswahl, Pflege, Entsorgung, Mikrobiologie

Diese Seite gibt den Stand September 2026 wieder und ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung. Verbindlich sind die jeweils geltende Fassung des Regelwerks sowie die Sicherheitsdatenblätter und technischen Datenblätter der eingesetzten Produkte.